In einer großen Kirchenorgel, in der Ecke hinter den kleinen Pfeifen, wohnten die armen Kirchenmäuse. Wenn die Orgel erklang war das immer für alle wie ein Wunder. Sie hörten die tiefen Bässe und die freudigen Melodien, wie sie durch die Pfeifen tanzten. Und die Mäuse tanzten mit. Was ist das wohl, was die Pfeifen so schön zum klingen bringt, fragten sie sich. Vielleicht ist da ein Organist, dachten sie, aber gesehen hatten sie noch nie einen. Sie beobachteten, dass alle Jahre ein Mensch kam und die Orgel stimmte. Wenn der dann an den Pfeifen arbeitete, klangen die Töne lang und langweilig. Der konnte es nicht sein.

Eines Tages stellten die Mäusekinder fest, dass ein Luftstrom aus den Pfeifen kam und zwar immer aus der Pfeife, die gerade einen Ton machte. Jetzt war man dem Geheimnis auf der Spur. Es war also die Luft, die in den Pfeifen spielte. Etwas später beobachtete einer, dass sich an der Seite so seltsame Schieber bewegten. Immer dann klangen die Pfeifen, manchmal auch mehrere gleichzeitig. Nicht die Luft machte also die Musik sondern es waren diese Schieber. Der alte Glaube musste verworfen werden. Für Mäuse war das jetzt eine sehr komplexe Erkenntnislage geworden. Der Entdecker der Schieber wurde deshalb zum Professor ernannt und war ab jetzt für die weitere wissenschaftliche Untersuchung der gesamten Orgel zuständig.

Und statt sich, wie bisher, einfach an den schönen Klängen zu erfreuen, dachten die Mäuse nur noch über die Orgel nach.

Der Organist aber spielte weiter seine wunderschöne Musik.

 

Die Orgelmäuse

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