Gottes Wort ist voller eigenartiger Situationen. Eine davon findet sich in der Apostelgeschichte, Kapitel 4, Vers 31a: „Als sie so gebetet hatten, bebte die Erde an dem Ort, wo sie versammelt waren.“ Das muss ein gewaltiges Gebet gewesen sein, wenn Gott auf diese Weise antwortet. Man muss aber zweimal hinsehen um das zu erfassen.

Hier das Gebet (Apg. 4,24-30): „Als Reaktion darauf beteten alle miteinander einmütig zu Gott. Sie sagten: ‚Du alleiniger Herrscher! Du hast den Himmel, die Erde und das Meer geschaffen und alles, was in ihnen ist. Durch den Heiligen Geist hast du unseren Vater David, deinen Diener, sagen lassen: 'Was soll das Toben der Völker? Weshalb schmieden sie nutzlose Pläne? Die Herrscher der Erde empörten sich und die Machthaber verbündeten sich gegen den Herrn und seinen Messias.' Tatsächlich haben sich hier in dieser Stadt Herodes und Pontius Pilatus mit den Heidenvölkern und den Stämmen Israels gegen deinen heiligen Diener verbündet, gegen den, den du gesalbt hast, Jesus. Doch haben sie damit nur das getan, was du in deiner Macht schon längst beschlossen und bestimmt hattest. Und jetzt, Herr, sieh ihre Drohungen an, und hilf deinen Sklaven, die Botschaft von dir mutig und frei zu verkündigen. Erweise deine Macht und lass durch den Namen deines heiligen Dieners Jesus Heilungen, Zeichen und Wunder geschehen.’" 

Das Gebet geht erst einmal um Gottes Größe. Nicht, dass sie ihn daran erinnern wollen, sie führen sich einfach vor Augen, was Gott getan und gesagt hat. So soll man es machen, wenn man betet. Was aber macht dieses Gebet so besonders, dass anschließend die Erde bebt?

Dazu muss man lesen, was vorher passiert war. Die Ereignisse werden ab dem Anfang des 3. Kapitels berichtet. Spannend zu lesen. Hier die Zusammenfassung: Petrus und Johannes hatten im Namen Jesu einen gelähmten Mann geheilt der immer bettelnd an der Tempelpforte sitzt. Das führt zu großem Aufsehen und Petrus hält eine Stehgreifrede, die sich gewaschen hat. Sie gipfelt in der Aussage, dass Jesus, der Messias ist und von den Toten auferstanden ist. Man muss Buße tun und sich ihm zuwenden. Die Folge ist, dass die erste Christengemeinde auf etwa fünftausend Menschen anwächst. Den Oberen passt das gar nicht. Petrus und Johannes werden festgenommen und landen im Gefängnis. Am nächsten Morgen stehen sie vor Gericht. Es wird ihnen strengstens verboten, jemals wieder öffentlich von diesem Jesus zu reden. Deren Reaktion: „Entscheidet selbst, ob es vor Gott recht ist, euch mehr zu gehorchen als ihm. Was wir gesehen und gehört haben, können wir unmöglich verschweigen.“ Darauf folgen erneut massive Drohungen. Aber sie zu bestrafen, das traut man sich nicht, denn damit würde man einen Aufstand riskieren. Den Aposteln und ihren Mitchristen ist klar, dass die Situation äußerst brenzlich ist. Als sie wieder unter sich sind, entsteht nun dieses besondere Gebet.

Was aber ist daran so besonders? Man kommt darauf, wenn man sich überlegt, worum die Jerusalemer Christen nicht beten. Es besteht Lebensgefahr, aber sie bitten nicht um Bewahrung im Sinne von „O Herr, errette uns von dieser bösen Meute. Lass nicht zu, dass sie uns etwas antun!“ Es fällt zudem auf, dass die Jünger überhaupt nicht gegen die Leute beten, die sie bedroht hatten. Die Jünger beten überhaupt nicht gegen irgendetwas. Sie beten noch nicht einmal um die Bewahrung vor dem Widersacher, der doch sicher hinter all dem steht und sie zum Schweigen bringen will. Es geht ihnen allein um eines: Viele Menschen sollen erfahren, dass Jesus die Tür zum Himmel aufgemacht hat. Jeder kann nun zu Gott kommen. Er muss umkehren und für sich persönlich entscheiden, ob er durch die offene Tür hindurchgeht.

(Diese Ausführungen basieren auf: „Lee Brase: Gott nahe kommen. Von den Betern der Bibel lernen.“)

Erdbeben-Gebet

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