Haben wir gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen?
Hiob 2, 10

Das Buch Hiob hat mich schon in den frühen Kinderjahren beeindruckt. Ich war sechs Jahre alt, als mein ältester Bruder nach einer Operation verstarb. Über dem Bett meiner gläubigen Mutter war der Vers aus Hiob 1,21 angebracht: "Der HERR hat's gegeben, der HERR hat's genommen; der Name des HERRN sei gelobt!" Damals habe ich die Worte noch nicht verstanden, doch meine Mutter hat sie im täglichen Leben ausgelebt. Sie wusste sich von Gott getragen.

Im zweiten Bekenntnis in Hiob 2,10 wird das Festhalten an Gott bestätigt. "Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen? In alldem sündigte Hiob nicht mit seinen Lippen." Es ist ein Bekenntnis in Form einer Frage, mit der Hiob den törichten Vorschlag seiner Frau  -"Sage Gott ab und stirb!"- zurechtrückt und Gott, dem Geber aller Dinge, die Ehre gibt.

Es ist doch unmöglich, von Gott zwar das Gute anzunehmen, aber das Böse zu verweigern. Hiob, der sich einmal Gott ergeben hat, bleibt auch "Gott ergeben" in allen Situationen. Er ist bereit, alles ohne Ausnahme aus Gottes Hand zu nehmen. Selbst in der Stunde, in der ihm nur noch sein nacktes, lebensunwertes Leben geblieben ist, hält er an Gott fest. Weder die satanische Anfechtung noch die Versuchung durch seine Frau konnten Hiob von Gott trennen. Das einzige, was ihm noch geblieben war, war seine Beziehung zu Gott.

Welch ein Trost für uns! Niemals trägt Satan den Sieg davon. Mit Gott erreichen wir das große Ziel. Gerade in den schwierigsten Situationen lernen wir, abhängig von Gott zu werden, sogar für die Durststrecken und Wüstenwanderungen zu danken und ihn bei aller Schwachheit zu verherrlichen. Das geschieht nicht von heute auf morgen, es ist ein täglicher Lernprozess.

Dankbarkeit im Leiden ist keine menschliche Leistung, sondern ein Geschenk Gottes. Wir dürfen täglich unsere leeren Hände ausstrecken und aus seiner Fülle Gnade um Gnade empfangen. Wenn wir in einer intakten Beziehung zu Gott stehen, können wir sowohl das Gute als auch das Schwere von ihm annehmen. Alles soll uns zur Ausreifung dienen und dem großen Ziel näherbringen.

Sr. Hilde Spittler

Bewährung im Leiden

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